Reisebericht Island Juni 2019

  • Reisebericht zu meiner Island Reise im Juni 2019


    28. Juni 2019

    Auf den Färöer, Tag 23



    von Torshaven nach Eidi



    Um 02:00 Uhr muss ich meine Kabine verlassen. Der Kapitän hat die Stunde Verspätung wieder hereingefahren und das Anlegen in Torshavn wird für pünktlich 03:00 Uhr angezeigt.

    Leider wird den Passagieren die in Torshavn das Schiff verlassen, keine Möglichkeit geboten, einen Kaffee oder ähnliches zu bekommen und mein Gaskocher, Kaffeepulver und Tasse befinden sich in einer Packtasche am Motorrad aber das Car-Deck ist noch fest verriegelt und verrammelt.

    Das ist ein sch… Service.


    Nach dem Anlegen geht dann alles sehr schnell. Da ich in Seydisfjördur als einer der letzten an Bord gefahren bin, kann ich BigBlue schnell vom Verzurrmaterial befreien und ich mogele mich einfach in die Reihen der schon abfahrenden Pkw´s und Wohnmobile ein.

    Einer der Einweiser schaut zwar etwas verdutzt als ich kurz Hupe und an ihm vorbei fahre, aber ich lasse mich nicht aufhalten. Ich will so schnell als möglich weg vom Tross der jetzt von der Fähre fließt und in kürzester Zeit den Verkehr in dem Städtchen Torshavn lahmlegen wird.

    Am Zoll werde ich unbeachtet durchgewunken.


    Kurze Zeit später der erste Stau. Eine ganze Kolonne Wohnmobile stehen Dicht an Dicht in einer unübersichtlichen Linkskurve vor der Einfahrt zum Campingplatz Torshavn.

    Ich setze den Blinker links und ziehe an der Kolonne vorbei. Wer soll mir hier schon an einem Freitag Morgen um halb vier entgegen kommen. Ich will weg von Torshavn und Umgebung. Hier auf den Färöer gibt es nur eine Handvoll Campingplätze, und die werden gleich ganz schön voll werden.

    Ich will soweit es geht in den Norden, nach Eidi und hoffe, das nicht zu viele den gleichen Gedanken hatten.


    Auf meinem Navi habe ich leider kein Kartenmaterial von den Färöer und auf der Karte sind bei den Lichtverhältnissen die einzelnen Straßen in Torshavn nicht zu unterscheiden. Und so passiert, was passieren muss.

    Anstatt auf die 10 Richtung Norden zu fahren, habe ich mich in einem Kreisverkehr wohl einmal verhaspelt und bin nach Westen aus der Stadt heraus gefahren. Das merke ich erst, als ich ein Hinweisschild zur 50, der alten Passstraße die nach Norden führt sehe.

    Da ich nicht wieder durch die Stadt zurück fahren will, entschließe ich mich der 50 weiter über den Pass nach Norden zu folgen. Und mit dieser Entscheidung fahre ich in den dichtesten Nebel, den ich jemals erlebt habe.


    Ich habe den höchsten Punkt noch nicht erreicht, als ich in eine Nebelwand hinein fahre, die um mich herum alles schluckt. Ich sehe absolut nichts mehr. Keine Fahrbahnmarkierung, keine Leitplanken, alles nur noch grau in grau. Selbst das Standlicht blendet so stark, das ich es Zeitweise komplett ausschalten muss um überhaupt noch einen Hauch von Orientierung zu behalten.


    Ich schleiche mit schleifender Kupplung im ersten Gang und mit den Füßen auf dem Boden Meter für Meter durch diese Suppe.

    Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder aus diesem Nebel heraus fahre, bin ich nassgeschwitzt. Purer Angstschweiß.




    Gegen 06:00 Uhr erreiche ich das Örtchen Eidi.


    Mittlerweile ist es Taghell geworden und ich finde den Campingplatz recht schnell. Das Problem ist allerdings, das dieser Campingplatz eigentlich nur für Wohnwagen und Wohnmobile ausgelegt ist. Zeltplätze gibt es nur sehr wenige auf einer Hangwiese neben dem eigentlichen Platz. Diese Wiese ist an den meisten Stellen so sumpfig und nass, das es fast eine halbe Stunde dauert, bis ich ein halbwegs trockenes Plätzchen finde, an dem ich mein Zelt aufbauen kann.



    Normalerweise hätte ich diesem Platz sofort wieder den Rücken gekehrt und mir etwas anderes gesucht. Aber wie gesagt, auf den gesamten Färöer gibt es nur eine Handvoll Campingplätze und so muss ich mich mit dem zufrieden geben, was zur Verfügung steht.

    BigBlue muss diese Nacht 100 Meter von mir entfernt schlafen, aber das wird sie wohl verkraften.



    Nachdem ich das Zelt aufgebaut habe, gönne ich mir einen ordentlichen Kaffee und mache mich danach auf den Weg um die Inseln ein wenig zu erkunden.



    Es gibt nicht viele Straßen und Wege die ich mit BigBlue befahren kann, das gesamte Straßennetz der Färöer umfasst nur etwa 500 Kilometer Landstraße und nochmals ca. 500 Straßenkilometer innerhalb von Ortschaften.


    Die Landschaft ist mit saftigen grünen Wiesen eingedeckt ansonsten aber fast völlig Baum- und Strauchlos. Die Örtchen mit ihren bunten Häusern sehen in dem Grün wie Farbkleckse aus.


    Hier nun einige Bilder der heutigen Inselrundfahrt


















    Zum Abendessen gibt es heute ein ordentliches Kotelett und ein paar Grillwürstchen mit frischem Brot.




    Gefahrene km: 349, Kilometer gesamt: 5045

    ....das Leben ist nun mal kein Ponyhof



    Schorsch
    VRCC # 36656

  • Reisebericht zu meiner Island Reise im Juni 2019


    29. Juni 2019

    Auf den Färöer, Tag 24



    Eidi (Ruhetag)


    Als ich heute Morgen aufwache, tobt draußen ein gewaltiger Sturm. Der Wind drückt so heftig auf die Zelthaut, das sie mir beinahe ins Gesicht gepresst wird. Gott sei Dank habe ich gestern noch die Sturmleinen gespannt, das war wohl innere Eingebung.

    Trotzdem muss ich raus und das Zeltgestänge irgendwie zusätzlich entlasten. Für den Notfall habe ich zwar ein Ersatzgestänge dabei, aber ich will es erst gar nicht zum äußersten kommen lassen.


    Da ich derartiges Wetter bzw. solche starken Stürme in Island erwartet hatte, habe ich mir im Vorfeld einige zusätzliche Sturmleinen vorbereitet, die ich mit kleinen Karabinerhaken sehr schnell an den am stärksten belasteten Stellen am Zelt anbringen und dadurch die extreme Windlast vom Zeltgestänge nehmen kann.

    Der starke Regen hat nun auch die letzten halbwegs trockenen Bereiche des Platzes in einen einzigen Sumpf verwandelt und ich muss die Sturmleinen mit extra langen Erdnägeln in dem morastigen Boden befestigen um sicheren Halt zu gewährleisten. Zusätzlich tausche ich auch die gestern angebrachten Erdnägel gegen die speziellen Sturmnägel aus. Sicher ist sicher.

    Beruhigt verkrieche ich mich ins Zeltinnere und schlafe noch eine Runde.



    Zwei Stunden später stehe ich endgültig auf. Der Sturm hat nochmals an Stärke zugelegt und das Material wird arg in Anspruch genommen. Aber es hält (hoffentlich).


    Zum Kaffeekochen nutze ich heute morgen aber lieber das Küchengebäude des Campingplatzes, das erscheint mir sicherer.

    Während das Kaffeewasser auf der Herdplatte heiß wird, schaue ich mir den Wetterbericht für den heutigen Tag an und schnell muss ich erkennen, das es Heute für mich keine weitere Rundfahrt auf den Färöer geben wird.

    Sturm und Regen sollen heute den ganzen Tag die Oberhand haben und ich muss das Schicksal nicht unbedingt herausfordern.


    Also verbringe ich den Tag mit Tagebuchschreiben, Lesen und Schlafen.


    Weil ich bei diesem Sauwetter nicht zum Einkaufen komme, gibt es zum Abendessen Spagetti mit Gulasch aus der letzten Notfallkonserve die ich noch mitführe.




    Das ist zwar nicht unbedingt ein Gourmet – Abendessen, aber es ist eigentlich ganz Schmackhaft und macht ordentlich satt.



    Gefahrene km: 0, Kilometer gesamt: 5045

    ....das Leben ist nun mal kein Ponyhof



    Schorsch
    VRCC # 36656

  • Reisebericht zu meiner Island Reise im Juni 2019


    30. Juni 2019

    Die Rückreise



    von Eidi nach Torshaven und mit der Fähre zurück nach Dänemark



    Das Wetter hat sich nicht wirklich verändert. Der Sturm hat zwar etwas nachgelassen, aber der Regen hat dafür ordentlich zugelegt und nur dank dem High Tec Gewebe meines Zeltes bin ich noch trocken. Denn obwohl ich das Gefühl habe auf einem Wasserbett unter einem Wasserfall zu liegen, hat weder der Boden noch die Außenhaut des Zeltes auch nur die geringste Menge Feuchtigkeit durchgelassen.

    Laut Wetterbericht soll es erst heute Nachmittag aufklaren und trockener werden. Und damit ist für mich klar, auch heute gibt es keine große Tour mehr, die Färöer wollen mich anscheinend nicht.


    Ich muss zwar erst um 21:30 Uhr zum Einchecken in Torshavn am Fähranleger sein, werde mich aber auch erst am Nachmittag auf den Weg dorthin begeben. Die Färöer sind zwar Landschaftlich reizvoll und bei gutem Wetter sicher auch sehenswert, aber mir fehlt heute einfach der nötige Antrieb um mich bei diesem Wetter auf Tour zu begeben.


    Was sagt Wikipedia doch gleich zum Klima der Färöer:


    „Die Luft ist meist klar, und es weht oft ein frischer Wind (meist aus Südwest). Auf Sturm und Regen muss man eingestellt sein, doch es gibt selten gänzlich verregnete Tage. Gelegentlich wird die Inselgruppe von den Ausläufern tropischer Wirbelstürme erreicht, …....“


    Ein bisschen genervt gehe ich zum Küchengebäude und Frühstücke erst einmal.


    Gegen 15:00 Uhr habe ich alles verladen und mache mich auf den Weg. Das Wetter ist wieder besser geworden und ich entschließe mich, mir das Städtchen Torshavn etwas genauer anzuschauen.

    Für die knapp 60 Kilometer brauche ich etwas mehr als eine Stunde.





    Ich fahre ein paar mal kreuz und quer durch die Stadt, stelle dann BigBlue am Hafen ab und begebe mich zu Fuß auf Erkundungstour.




    900 PS an einem Schlauchboot……..alter Schwede!











    In einem netten Lokal gönne ich mir ein super leckeres Essen und ein gezapftes Bier.



    Und hier endet mein Reisebericht dann auch. Um 23:30 Uhr wird die Fähre nach Dänemark auslaufen und dort am 02. Juli 2019 gegen 09:30 Uhr anlegen. Von dort aus werde ich noch etwa eine Woche durch Dänemark und Deutschland cruisen und damit auch diese Reise ausklingen lassen.


    Ich hoffe, der Bericht hat Euch gefallen und ich kann Euch nur empfehlen, macht Euch auf den Weg.



    Gefahrene km: 78, Kilometer gesamt: 5123

    ....das Leben ist nun mal kein Ponyhof



    Schorsch
    VRCC # 36656