Reisebericht Island Juni 2019

  • Island, die "Insel aus Feuer und Eis"!





    Riesige Gletscher, Wüstenlandschaften, Strände aus schwarzem Sand, grollende Vulkane und kochendes Wasser speiende Geysire. Das ist Island.


    Lange schon interessiert mich diese faszinierende Insel im Nordatlantik, knapp südlich des Polarkreises. Und im Juni 2019 ist es endlich soweit, BigBlue und ich machen uns auf den Weg um dieses geheimnisumwitterte Land und seine Menschen kennen zu lernen.


    Seit mehr als einem Jahr plane ich diese Reise mit Motorrad und Zelt. Frühzeitige Fährenbuchung, YouTube Filmchen im Internet mit eigenen Vorhaben abgleichen, Lesen von etlichen Reiseberichten, nächtelanges Kartenstudium und Streckenplanungen.


    Ich will natürlich möglichst viel von dem Land sehen, aber was kann ich BigBlue und mir dabei zumuten und was darf ich auf gar keinen Fall riskieren? Mit welchem Wetterkapriolen muss ich im Juni eventuell rechnen? Ist meine Ausrüstung für dieses raue Land die Richtige? Wie sieht es mit Tankstellen und Zeltplätzen in den dünn besiedelten Gebieten aus und was kann ich bei einer (hoffentlich nicht vorkommenden) technischen oder gesundheitlichen Panne machen?


    Allein die Anreise nach Island ist für mich mit 2740 Kilometern (davon 1620 km auf See) nicht mal gerade eben ein Katzensprung und dauert schon fünf bis sechs Tage, davon zwei Tage auf der Fähre.


    Noch nie habe ich einen Urlaub so sorgfältig im Voraus geplant und ich freue mich riesig auf diesen Trip, aber ich habe auch einen gewaltigen Respekt vor der Tour. Ich werde mit BigBlue nicht in alle abgelegenen Gebiete kommen, denn Flussdurchquerungen und Geländefahrten will und muss ich ihr nicht zumuten, aber wir werden uns nicht scheuen, auch Wege und Straßen zu befahren, die normalerweise nur von GS und XT Fahrern bevorzugt werden.


    Und wie schon auf meiner Tour zum Nordkap werde ich auch auf dieser Reise wieder ein Tagebuch führen, in dem ich versuche, meine Gefühle und das Erlebte fest zu halten um im Anschluss daran einen Reisebericht zu erstellen.


    Wenn ihr Lust und Laune verspürt mehr über dieses raue und faszinierende Land und über meine Erlebnisse auf dieser Tour zu erfahren, dann begleitet mich und BigBlue auf dieser sicherlich abenteuerlichen Reise in dem noch folgenden Reisebericht.

    ....das Leben ist nun mal kein Ponyhof



    Schorsch
    VRCC # 36656

  • Reisebericht zu meiner Island Reise im Juni 2019


    06. Juni 2019

    Die Anreise


    Von Ettringen nach Bramstedt


    Endlich geht es los. Wie gewohnt habe ich mal wieder eine sehr unruhige Nacht hinter mir. Ich bin nervös und trotz der enorm langen Vorbereitungszeit habe ich das Gefühl, das ich völlig unvorbereitet bin.

    Das nennt man wohl Reisefieber. Die Unruhe und die Nervosität erledigt sich hoffentlich wie sonst auch, wenn der Motor läuft und ich auf der Strecke bin.

    Bei meinem Frühstückskaffee gehe ich nochmals meine Packlisten durch, zum zigsten Mal. Und auch dieses mal bleibt kein Eintrag offen. Hinter jedem Gegenstand ist ein Häkchen das mir anzeigt, alles ist verpackt und untergebracht.


    Ich verlade das Gepäck und um 05:30 Uhr ist BigBlue abmarschbereit.



    Mein erstes Zwischenziel heute morgen ist Köln. Dort will ich mich um 07:00 Uhr mit mit meinem Freund Werner (Frosch) treffen. Gemeinsam soll es dann zum Saisonbeginn der Nordlichter gehen.


    Wie gewohnt wartet Werner schon auf mich, als ich um 06:45 Uhr bei unserem Treffpunkt aufschlage. Kunststück, er hat ja auch nur hundert Meter von seiner Haustür bis hier hin.


    Bevor wir uns auf die Reise begeben, bekommt BigBlue hier nochmal ihr Futter. So ist gewährleistet, das wir unsere Tankpausen zusammenlegen können.

    Ich habe eine schöne Route über Bundes- und Landstraßen ausgesucht, die uns heute bis in die Nähe von Bramstedt, einem kleinen Ort nördlich von Bremen, bringen soll. Dort habe ich eine Übernachtung auf einem Hof geplant. Natürlich mit Selbstversorgung, wie es sich gehört.


    Der Wetterbericht für den heutigen Tag sieht nicht so schlecht aus und mit etwas Glück fahren wir den Regenfronten die aus Nordwesten angedroht sind einfach davon.


    Unsere Route führt uns zu Beginn nach Hemer. Hier treffen wir uns in einer kleinen Bäckerei mit Willes, der sich kurzentschlossen mit auf den Weg zu den Nordlichtern gemacht hat.

    Wir trinken gemütlich Kaffee und genießen etwas von den Backwaren, die mit ihrem Duft einfach unwiderstehlich erscheinen.

    Kurz nach 10:00 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg.


    Tankstopp und Raucherpause



    Die Straßen auf denen wir unterwegs sind, liegen abseits der Hauptstrecken und so haben wir lediglich mäßigen Verkehr. Das Wetter hält sich auch an den Wetterbericht und wir cruisen gemütlich gen Norden.

    Lediglich als wir am Nachmittag die Gegend um Bremen erreichen, kommen wir in den Genuss des alltäglichen Feierabendverkehrs, ein wahnsinniges Chaos.

    In Osterholz-Scharmbeck kaufen wir für den Abend ein. Ich habe den beiden versprochen, in meiner Campingküche ein leckeres Abendessen zu zaubern.

    Mir schwebt da ein geschnetzeltes Filet nach Jägerart, mit frischen Champignons und Speckstücken, in einer leichten Weißwein-Rahmsoße vor.


    Wir erreichen unsere Unterkunft gegen 17:30 Uhr und sind angenehm überrascht. Es handelt sich um einen umgebauten Bauernhof mit separatem Gästehaus. Die Zimmer sind sauber und recht gemütlich und für ca. 30,00 Euro pro Person in dieser Gegend ein Schnäppchen.


    Wir setzen uns draußen an den großen Holztisch und genießen erst einmal ein, zugegeben nicht ganz kaltes Bier und ich beginne mit dem Abendessen.



    Na, sind die Herren etwa skeptisch?


    Das sieht doch gar nicht sooo schlecht aus, oder?


    Anscheinend waren die Jungs zufrieden, den Nachschlag wurde gerne auch mehrfach genommen und es blieben keinerlei Reste übrig. Auch der restliche Wein wurde bis auf den letzten Tropfen vernichtet.



    Gefahrene km 397, Kilometer gesamt: 397

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    Schorsch
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  • Reisebericht zu meiner Island Reise im Juni 2019


    07. Juni 2019

    Die Anreise, Tag 2


    Von Bramstedt nach Bohmstedt


    Wir sind recht frühzeitig auf den Beinen und unser Frühstück ist für unterwegs geplant, so können wir um kurz vor 08:00 Uhr aufbrechen. In der Nacht hat es ein wenig geregnet, doch für den Tag ist gutes Wetter vorhergesagt.

    Also fahren wir auf kleinen Nebenstraßen nach Wischhafen. In einer kleinen Bäckerei legen wir eine kurze Frühstückspause ein, bevor wir die letzten Meter zum Fähranleger weiterfahren.


    Hier staut sich der Verkehr schon fast einen Kilometer bis an die L111 zurück. Wir mogeln uns vorsichtig an der Schlange der wartenden LKW´s, PKW´s und Wohnmobilen vorbei und können schon kurze Zeit später auf die gerade anlegende Fähre auffahren. Glück gehabt.







    Für mich persönlich ist die Elbfähre die schönste Verkehrsverbindung Richtung Norden und ich werde sie immer dem Elbtunnel vorziehen.

    Eine knappe halbe Stunde später befinden wir uns bereits am anderen Elbufer in Glückstadt und fahren von hier aus weiter auf Nebenstraßen durch das Dithmarsche Land.


    Um 13:00 Uhr treffen wir in Bohmstedt im Paulsen´s Landhotel ein.


    Nach dem erfolgreichen Check In steht nun einer eiskalten Erfrischung in Form einer Hopfen-Kaltschale nichts mehr im Wege.


    Hier nochmals ein Dankeschön an Manni und sein Orga-Team für den herzlichen Empfang und für das tolle Treffen bei euch im Norden.


    Der Abend wurde durch die Nachricht vom Hartmuts Tod getrübt und lähmte uns alle, aber ich bin mir sicher, das wir genau in seinem Interesse weiter gehandelt haben.



    Gefahrene km 241, Kilometer gesamt: 638

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    Schorsch
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  • Reisebericht zu meiner Island Reise im Juni 2019


    09. Juni 2019


    Die Anreise, Tag 4


    Von Bohmstedt nach Vammen (Dänemark)



    Der gestrige Tag hier bei den Nordlichtern war schon etwas besonderes und der Ausflug auf die Hallig war das absolute Sahnestückchen.

    Gerne würde ich die heutige gemeinsame Ausfahrt „Von Küste zu Küste“ mit den Jungs und Mädels mitfahren. Andererseits möchte ich mich nicht unter Zeitdruck setzen und ich entschließe mich, meine Tour wie geplant fortzusetzen. Ich könnte natürlich in Flensburg auf die Autobahn fahren und wäre dann fünf Stunden später an meinem Ziel in Hirtshals, aber das ist es nicht, was ich unter Urlaubsreisen verstehe. Und auch die Anreise gehört für mich schon zum Urlaub.


    Also verabschiede ich mich nach dem gemeinsamen Frühstück und mache mich um 10:15 Uhr auf den Weg nach Norden.



    Der Wetterbericht sagt für die nächsten Tage in Dänemark freundliches Wetter voraus und ich genieße bei angenehmen Temperaturen die Fahrt über die kleinen Straßen abseits der Hauptverkehrswege.



    Dänemark ist keineswegs so Flach und Brett eben wie man immer annimmt, sondern durchaus hügelig und an vielen Stellen führen diese kleinen Nebenstraßen durch kleinere Waldstücke. Auch kurvige Abschnitte sind hier keine Seltenheit.




    Die Landschaft ist hauptsächlich durch die Landwirtschaft geprägt aber durchaus abwechslungsreich und schön anzusehen und Verkehr ist auf diesen Sträßchen so gut wie überhaupt nicht vorhanden.



    Ich lasse mir viel Zeit und erreiche mein heutiges Etappenziel, den Campingplatz Vammen, erst gegen 18:00 Uhr. Der Platz liegt direkt an einem See, abseits des Ortes, in einem Naturschutzgebiet und ist nur über eine schmale, unbefestigte Straße zu erreichen.






    Ich finde einen schönen weichen Rasenplatz für mein Zelt und kümmere mich nach dem Aufbau erst einmal um das leibliche Wohl.




    Am Abend sitze ich auf einer Terrasse mit Blick auf den See, schreibe in meinem Tagebuch und lausche dabei den Klängen dänischer und deutscher Volkslieder und Schlager, die von der „Campingplatz-Band“ in der Feuerstube gespielt werden.




    Gegen 22:00 Uhr verkrieche ich mich in mein Zelt, lese noch ein wenig und bin kurz darauf im Land der Träume.



    Gefahrene km 322, Kilometer gesamt: 960

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    Schorsch
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  • Reisebericht zu meiner Island Reise im Juni 2019


    10. Juni 2019

    Die Anreise, Tag 5


    Von Vammen nach Hirtshals



    Die erste Zeltübernachtung meiner Reise verlief völlig entspannt. Gut ausgeschlafen stehe ich um 08:30 Uhr auf und gehe Duschen. Auf dem Rückweg laufe ich an der Rezeption vorbei und hole mir die Brötchen ab, die ich gestern Abend noch bestellt habe. Diese Brötchen werden tatsächlich morgens hier auf dem Campingplatz von dem Betreiber frisch gebacken.

    Sie sind noch ganz warm und riechen und schmecken einfach vorzüglich. Normalerweise reicht mir morgens eine oder zwei Tassen Kaffee, aber dieser Verlockung kann ich nicht widerstehen.


    Um 10:30 Uhr habe ich alles verladen und mache mich auf den Weg nach Hirtshals.

    Das Wetter meint es weiterhin gut mit mir und so bleibe ich meiner Devise, der Weg ist das Ziel, weiter treu und fahre heute wieder nur über die kleinsten Nebenstraßen.




    Das lohnt sich wirklich, denn Dänemark ist abseits der Hauptstraßen landschaftlich wirklich sehr Reizvoll.



    Gegen 13:00 Uhr erreiche ich Aalborg, und entschließe mich zu einem kleinen Stadtbummel. Zugegeben, ich bin nicht der Typ, der Städte unbedingt mag, aber Aalborg, zumindest die Altstadt, ist tatsächlich sehenswert.






    Schloss Aalborghus


    Schloss Aalborghus



    Nach einer ausgiebigen Mittagspause und einem guten Essen, geht es dann auf die letzte Etappe des heutigen Tages.



    Gegen 17:45 Uhr treffe ich in Hirtshals ein.


    Leuchtturm in Hirtshals


    Das Einchecken auf dem Campingplatz ist schnell erledigt und ich kann mein Zelt an der gleichen Stelle aufschlagen, wo es schon bei meiner Nordkap Tour gestanden hat.

    Noch ist hier viel Platz, aber das wird sich erfahrungsgemäß bald ändern



    Mein Abendessen ist nach der üppigen Mittagsmahlzeit heute mal eher Bodenständig und besteht aus Brot, etwas Käse und ein wenig Krautsalat.


    Am Abend entwickeln sich nette Gespräche mit anderen Campern und Zeltnachbarn.

    Nach ein paar Bierchen verabschiede ich mich in mein Nachtquartier und falle auch schon kurze Zeit später ins Land der Träume.


    Gefahrene km 162, Kilometer gesamt: 1122

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    Schorsch
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  • Reisebericht zu meiner Island Reise im Juni 2019


    11. Juni 2019

    Die Fähre, Tag 6


    Auf See 1



    Heute morgen ist es kühl und es sind dunkle Wolken aufgezogen. Ich mache mir meinen Frühstückskaffee aus dem Schlafsack heraus und überlege, ob ich mir Zuhause eine Kaffeemaschine ans Bett stellen soll. Heißen Kaffee morgens im Bett genießen, das hat schon etwas.

    Es ist erst 07:00 Uhr und bis zum Einchecken auf der Fähre habe ich noch bis 09:30 Uhr Zeit.

    Also verlade ich alles sorgfältig und achte dabei darauf, das sich alles was ich während der Überfahrt auf der Fähre benötige, in meinem Tankrucksack befindet.

    Das Hauptgepäck verbleibt am Motorrad und das Fahrzeugdeck ist während der Überfahrt geschlossen. Man kommt also nicht mal eben an seine Zahnbürste oder an ein frisches T-Shirt.

    Nur den Tankrucksack nehme ich mit in die Kabine.


    Bevor ich zum Anleger fahre, mache ich noch einen kurzen Abstecher zum Supermarkt um mich mit etwas Proviant für die Überfahrt einzudecken. Danach geht es Richtung Fähre.

    Das Einchecken hat noch nicht begonnen und ich reihe mich in die Kolonne der Wartenden ein.


    10 Minuten später werden die sechs Schalter geöffnet und die Check In Formalitäten laufen reibungslos und zügig ab.


    Ausweis und Buchungsbestätigung vorlegen, den elektronischen Kabinenschlüssel, die Fahrzeugkennzeichnung und den Boardingpass in Empfang nehmen und ab auf die Wartespur.


    Auf Spur 15 und 16 sammeln sich die Zweiräder, jede Menge BMW GS und Honda Africa Twin´s, alle mit gewaltigen Stollenbereifungen und Moto Cross Ausstattungen. Aber auch einige Exoten, zwei Schwalben, ein Vesparoller, ein Radler aus Sachsen mit seinem Mountainbike und eine F6C Valkyrie.



    Die MS Norröna läuft Planmäßig ein und die Entladung geht sehr zügig voran. Nach ca. 30 Minuten geben die Einweiser das GO zum Auffahren.




    Mit der Erfahrung die ich bei anderen Fährüberfahrten gesammelt habe, habe ich mir einen Plan zurecht gelegt. Ich werde versuchen, als letztes Motorrad auf die Fähre zu kommen, in der Hoffnung, etwas mehr Platz zu ergattern. Denn Erfahrungsgemäß werden die Motorräder so eng nebeneinander gestellt, das so ein Rehlein wie ich eines bin, sich nicht mehr zwischen den Maschinen bewegen, geschweige denn, das Motorrad sicher verzurren kann.


    Fährt man aber als letztes Motorrad auf die Fähre auf, ist die Chance recht groß, das noch genügend Platz zur Verfügung steht und man sich etwas breiter machen kann. Das kann funktionieren, kann aber auch gefährlich nach hinten losgehen und man wird im schlimmsten Fall noch irgendwo dazwischen gequetscht.

    Diesen Plan haben sich aber anscheinend mehrere Fahrer zurechtgelegt und nur durch stoische Ruhe und scheinbar verzweifeltes Fummeln am Zündschloss gelingt mir diese List. Ich fahre als letztes Motorrad auf die Fähre.


    Beinahe!!!

    Denn zwei Gespannfahrer werden aus einer PKW – Wartespur herausgewunken und mir nachgeschickt. Trotzdem kann ich mir deutlich mehr Platz gönnen wie die Jungs vor mir.


    Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.


    Sorgfältig verzurrt, mit eingelegtem ersten Gang und mit dem durch ein Gummiband angezogenen Handbremsgriff lasse ich BigBlue auf dem Car-Deck zurück.

    Schnell noch ein Foto von der Car-Deck Nummer, das erleichtert das Wiederfinden ungemein.




    Die Kabine ist schnell gefunden und sie ist schon fertig gereinigt, so das ich meine Klamotten ablegen kann bevor ich mich im Schiff umsehe.



    Ich habe mir während der Planung dieser Tour viele Gedanken über die Unterkunft auf dieser Fähre gemacht und mich dann letztendlich für diese innen liegende Zwei- bzw. Dreibett Kabine zur Einzelnutzung entschieden. Es geht auch deutlich günstiger, aber eben auch erheblich teurer.

    Das ich mir dieses kleine bisschen Luxus gegönnt habe, erweist sich gerade als goldrichtige Entscheidung.



    Meine Kabine liegt auf Deck 8, ist sogar sehr geräumig, hat ein bequemes Bett (die beiden anderen Betten sind platzsparend an der Wand hochgeklappt) und verfügt über eine kleine Nasszelle mit Waschbecken, WC und kleiner Dusche. Was will man mehr, es soll ja keine Kreuzfahrt werden.

    Und zum schlafen habe ich schon in deutlich schlechteren Unterkünften gelegen.


    Nachdem ich das Gepäck abgelegt habe, gehe ich auf das Freideck um das Ablegen der Fähre zu beobachten. Immer noch werden Fahrzeuge in den Rumpf des Schiffes gefahren und es dauert noch eine ganze Weile bis das die Leinen gelöst werden und die MS Norröna auf Fahrt geht.



    Volle Kraft voraus


    Langsam verlassen wir den Hafen von Hirtshals und der Leuchtturm wird schnell immer kleiner.





    Den Rest des Tages verbringe ich damit, die Örtlichkeiten auf der Fähre zu erkunden und begebe mich danach wieder an Deck bzw. in die wettergeschützte Sky-Bar.

    Bei dem einen oder anderen Getränk lese ich ein wenig in meinem Island-Krimi, genieße immer wieder den Blick auf das Meer und schreibe in meinem Tagebuch.


    Gegen 20:00 Uhr ziehe ich mich in meine Kabine zurück, lege mich auf meine Koje und die Wellen wiegen mich sanft in den Schlaf.




    Gefahrene km 5, Kilometer gesamt: 1127

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    Schorsch
    VRCC # 36656

  • Reisebericht zu meiner Island Reise im Juni 2019


    12. Juni 2019

    Die Fähre, Tag 7


    Auf See 2



    Unsanft werde ich gegen 01:00 Uhr geweckt weil ich fast aus der Koje falle. Draußen hat sich ein kräftiges Unwetter zusammengebraut und das Schiff schlingert und rollt heftig. Die Kabine ist ordentlich am knarren und am knarzen.

    Alle Utensilien die ich auf dem kleinen Schreibtisch abgelegt habe, tummeln sich nun mit einem unheimlichen Bewegungsdrang auf dem Fußboden der Kabine. Das erschwert mir das Aufstehen erheblich, denn ich muss nicht nur versuchen die unberechenbaren Bewegungen des Schiffes auszugleichen, sondern gleichzeitig darauf achten, dass ich nicht auf Handy, Kamera, Powerbank oder Schlüsselbund trete, was bei letzterem vermutlich noch zu einer unfreiwilligen Tanzeinlage führen würde.

    Nach einiger Zeit habe ich alles eingesammelt und sicher im Tankrucksack verstaut.


    Ich hätte nicht damit gerechnet, das ein Schiff dieser Größenordnung so sehr der Gewalt des Meeres ausgesetzt ist. Es wäre ja auch zu schön gewesen, einmal eine ruhige, längere Überfahrt zu haben.

    Aber der Nordatlantik ist nun mal kein Swimming Pool. Keine Ahnung wie die Wikinger das in ihren Nussschalen geschafft haben.


    Hoffentlich halten die Zurrgurte.


    Mit diesem Gedanken lege ich mich wieder hin und versuche weiter zu schlafen. Leider vergebens, also schalte ich den Fernseher ein und wähle den Kanal der die Livebilder vom Bug des Schiffes zeigt. Gewaltige Wellen treffen den Bug und die Gischt schlägt hoch bis auf das Vorderdeck, und das liegt immerhin auf Höhe von Deck 5.



    Die Bilder sind mit der leisen Musik eines Radiosenders hinterlegt und mir fallen dann doch irgendwann die Augen wieder zu.


    Um 07:00 Uhr ist dann die Nacht endgültig vorbei. Das Schiff wird immer noch heftig von den Wellen hin und her geschmissen und an ein ruhiges liegen in der Koje ist nicht mehr zu denken.


    Bei diesem Seegang bringt die relativ kleine Duschkabine heute morgen nur Vorteile für mich. Ich brauche nur die Schultern etwas auseinander zu drücken, bzw. tief einzuatmen und ich bin sicher in der Duschkabine verkeilt.


    Auch das Frühstück und der Weg dort hin ist heute Morgen eine Herausforderung.



    Besonders viele Mitreisende befinden sich nicht im Restaurant und nachdem ich es geschafft habe, alles unfallfrei an einen Tisch zu bringen, kann ich meine gebackenen Kartoffelspalten mit Rührei und Speck in Ruhe genießen.



    Lediglich der Kaffee ist ungenießbar. Rein physikalisch betrachtet dürfte er in dieser Stärke erst gar nicht aus der Kaffeemaschine fließen, sondern müsste eigentlich im günstigsten Fall als Paste aus einer Tube gequetscht werden. Erst durch das Verdünnen mit der gleichen Menge heißen Wassers und durch die Zugabe von sehr viel Milch wird er langsam genießbar.


    Den Rest des Vormittags verbringe ich auf Deck mit dem Lesen meines Krimis und genieße dabei die herrlich frische Seeluft. Wunderbar.


    Am Nachmittag wird die See deutlich ruhiger, aber der Wind hat in seiner Stärke kaum abgenommen. Der Himmel hat eine intensive Blaufärbung und die Sonne meint es gut mit uns. Trotzdem ist es recht Frisch und ohne Jacke und Mütze wird es draußen schnell ungemütlich.




    Gegen 17:30 Uhr erreichen wir Torshaven auf den Färöer. Die MS Norröna legt hier einen Zwischenstopp ein und es werden Ladung und Passagiere entladen bzw. aufgenommen.





    Auf meiner Rückreise werde ich hier ebenfalls von Bord gehen um mir für ein paar Tage die Färöer anzuschauen. Aber vorerst liegt das noch in weiter Ferne.


    Mit einer halben Stunde Verspätung legt die MS Norröna um 18:30 Uhr wieder ab und nimmt Fahrt Richtung Island auf.






    Ich begebe mich zum Abendessen und besuche danach noch kurz die Bar.

    Um 21:00 Uhr liege ich in der Koje und lasse mich mit leiser Musik ins Land der Träume weggleiten.



    Gefahrene km 0, Kilometer gesamt: 1127

    ....das Leben ist nun mal kein Ponyhof



    Schorsch
    VRCC # 36656

  • Reisebericht zu meiner Island Reise im Juni 2019


    13. Juni 2019

    Auf Island, Tag 8


    von Seyðisfjörður nach Ásbyrgi




    Die letzte Nacht war ruhig und ich habe tief und fest geschlafen. Ich springe unter die Dusche, verpacke meine Habseligkeiten in den Tankrucksack und mache mich auf den Weg um noch vor dem Anlegen in Seyðisfjörður einen Kaffee zu ergattern. Frühstück habe ich für heute Morgen nicht gebucht, aber einen Kaffee habe ich mir schnell organisiert.


    Pünktlich um 08:30 Uhr Ortszeit legt die Fähre an und ich kann auf das Car-Deck zu BigBlue. Die Maschine steht und die Verzurrung ist fest, aber vorne links hängt der Zusatzscheinwerfer nur noch am Kabel. Das Gehäuse des Scheinwerfers ist ordentlich verbogen und der Scheinwerfereinsatz will so nicht halten. Ich schaue mir die Dicke genauer an, kann aber keine weiteren Schäden feststellen.

    Der Scheinwerfer ist ersetzbar und kein großes Problem. Vorerst ziehe ich einen Plastikbeutel über und verschließe in mit einem Gummiband. So kann der Einsatz nicht herausfallen und ist erst einmal gesichert.

    Erst viel später erfahre ich, das in der Sturmnacht während der Überfahrt mehrere Motorräder aus der Verzurrung gerissen wurden und umgefallen sind. Ob BigBlue sich auch gelegt hat, oder ob eine andere Maschine gegen sie gefallen ist, großes Fragezeichen????


    Es dauert heute Morgen sehr lange bis das ich von der Fähre herunter fahren kann. Die Motorräder wurden zwar als erstes verladen, dafür kommen sie jetzt aber so ziemlich als die letzten Fahrzeuge von der Fähre.

    Gegen 10:15 Uhr stehen BigBlue und ich auf isländischen Boden.



    Es ist zwar bitter kalt, knappe 8 Grad C zeigt mein Thermometer, aber es ist trocken.


    Einmal pro Woche legt hier in diesem kleinen, knapp 700 Seelen Dörfchen die MS Norröna an und spuckt hunderte Container, Wohnmobile, PKW´s und Motorräder aus.

    Es gibt hier einen Supermarkt, einen Campingplatz, eine Bank, zwei Cafe´s, ein paar Tankstellen und einige kleine Hotels. Und überall stehen jetzt jede Menge Fahrzeuge und Menschen um einzukaufen, zu tanken oder Geld abzuheben.

    Und es führt nur eine Straße über einen Pass aus diesem Ort heraus.


    Da ich auch ein paar Lebensmittel einkaufen muss und auch etwas Bargeld benötige, habe ich mir schon während der Vorbereitungszeit die Adressen eines Supermarktes und einer Bank in Egilsstaðir, einer Kleinstadt ca. 27 Kilometer entfernt, in mein Navi gespeichert und mache mich direkt auf den Weg dorthin, in der Hoffnung, hier deutlich weniger Andrang zu haben.


    Die Passstraße steigt von Seyðisfjörður aus sehr steil auf 620 Meter Höhe an um dann über eine Hochebene langsam wieder ins nächste Tal zu fallen.

    Heute Morgen wird die Passstraße in einen schweren, dichten Nebel gehüllt der nur ein paar Meter Sicht zulässt.


    Endlich raus aus dem Nebel


    Nach etwa zwanzig Minuten habe ich den Nebel hinter mir gelassen und blicke schon kurze Zeit später auf das Städtchen Egilsstaðir.



    Das Navi führt mich Zielsicher zur Adresse der Bank und nur Minuten später halte ich 40000 Kronen in meinen Händen, Woau!!!, was für eine Summe. Leider sind es umgerechnet nur ca. 280 Euro. Mal sehen, wie lange das ausreicht.

    Der Supermarkt ist gleich um die Ecke und so kaufe ich etwas Fleisch, ein Schälchen Kartoffelsalat, ein Becher Skyr mit Erdbeergeschmack (Quark), Brot, etwas Wurst und Käse und eine Flasche Cola ein und lege dafür gleich mal 4200 Kronen auf den Tisch. Nochmals Woau!!!, das ist schon heftig.


    Nachdem ich die Lebensmittel verstaut habe, mache ich mich auf den Weg. Ich will mich möglichst schnell von der Karawane der weißen Ware (Wohnmobile und Gespanne) lösen.

    Die meisten Reise- und Routenvorschläge die man im Internet finden kann, führen „im Uhrzeigersinn“ entlang der Ringstraße 1.

    Ich biege aber auf die Ringstraße 1 nach Norden ab, fahre also in Island „gegen den Uhrzeigersinn“ und habe schon nach ganz kurzer Zeit weder vor noch hinter mir Verkehrsaufkommen.


    Ja, ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.


    Der Himmel klart weiter auf und die Sonne lässt die Temperatur auf 15,4 Grad C steigen. Lediglich auf den Höhen weht ein eiskalter Wind aus Nordost und die Temperaturen dort sind nur einstellig.

    Aber das ist mir jetzt völlig Schnuppe, ICH BIN IN ISLAND!!!!






    Nach ein paar Kilometern die mich nach Nordwesten führen, bin ich mir allerdings nicht mehr so sicher, wo ich mich befinde.

    Die Landschaft gleicht der Mondoberfläche und lediglich die Schneebedeckten Höhen im Hintergrund und die Tatsache das ich ohne technische Gerätschaften atmen kann deuten auf den Planeten Erde hin. Das ist Hammerhart.






    Nach etwa 140 Kilometern auf der Ringstraße1 biege ich auf die 862 nach Norden ab. Diese Straße führt zum Dettifoss, Europas leistungsstärkstem Wasserfall. Die Straße ist seit neuestem bis zum Parkplatz am Dettifoss asphaltiert, und so bin ich schnell an diesem Zwischenziel.


    Das tobende Rauschen des Wasserfalles ist schon von weitem zu hören.




    Nach einem kurzen Fußmarsch durch eine unwirkliche Steinlandschaft dann ein erster Blick auf den kleinen Bruder des Detifoss, den Selfoss der etwa einen Kilometer flussaufwärts die erste Stufe in dieser Schlucht bildet.


    Selfoss


    Dann bekommt man in zu Gesicht, diesen gewaltigen Wasserfall. Über eine Breite von etwa 100 Metern ergießen sich hier die Wassermassen über 45 Meter in die Tiefe.


    Detifoss




    Hier könnte man vermutlich Stunden verbringen, aber ich habe noch einen weiten Weg vor mir. Also gehe ich zurück zum Parkplatz und mache mich auf den Weg zum nächsten Zwischenziel, den Hljóðaklettar (Echofelsen).


    Ich folge der 862 weiter nach Norden und hier oben ist sie noch nicht ausgebaut und hat die Beschaffenheit eines üblen Feldweges.



    Nach ca. 20 Kilometern biege ich rechts auf die 888 ab, die mich zum Parkplatz der Hljóðaklettar bringt.

    Ich bin heute Nachmittag auf diesem Stückchen Erde völlig allein und so muss ich BigBlue nun für einige Zeit hier unbeaufsichtigt stehen lassen, mit der gesamten Ausrüstung, denn ich habe nun einen längeren Fußmarsch vor mir und hoffe erstens, das sich der Weg lohnt und zweitens, das ich sowohl Motorrad wie auch Ausrüstung wohlbehalten wiederfinde.



    Hier zeigt die Natur zu welchen wunderschönen architektonischen Konstruktionen sie fähig ist.





    Nach fast zwei Stunden bin ich zurück bei BigBlue und ich finde alles so vor, wie ich es verlassen habe. Und ja, der Weg hat sich gelohnt, obwohl ich mal wieder feststellen musste, Motorradbekleidung eignet sich nicht zum Wandern.

    Ich nehme erst einmal einen ordentlichen Schluck Wasser und begebe mich dann auf den letzten Teil meiner heutigen Etappe.


    Nachdem ich wieder auf die 862 gestoßen bin, folge ich ihr weiter nach Norden und ca. 20 Kilometer später habe ich wieder Asphalt unter den Rädern. Ich befinde mich am Ziel meiner heutigen Tour, in Ásbyrgi.


    Da es schon später Nachmittag ist, checke ich zuerst auf dem Campingplatz ein und baue mein Zelt an einem windgeschützten Platz auf.



    Die Notreparatur hält


    Danach mache ich mich nochmal auf den Weg um mir die Schlucht etwas genauer anzuschauen. Allerdings habe ich für heute keine große Lust mehr noch weitere Wanderungen zu starten und so bleibe ich mit BigBlue auf der befestigten Straße die uns in die Schlucht hineinführt.






    Das hier ist eines der ganz wenigen bewaldeten Gebiete Islands.


    Nach geologischen Forschungen haben drei besonders starke Gletscherläufe der Schlucht ihre ungewöhnliche Form verliehen.

    Laut der nordischen Mythologie ist Ásbyrgi allerdings durch Odins achtbeiniges Pferd „Sleipnir“ entstanden, als es hier einen seiner Hufe in die Erde bohrte.

    Der in der isländischen Mythologie omnipräsente und tief verwurzelte Glaube an Elfen, das unsichtbare Volk, erklärt Ásbyrgi zur Elfenhauptstadt. Der Reisende wird vor Ort über eine Tafel darüber informiert, dass sich dort ein großes kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Elfen befindet. Diverse botanische Besonderheiten unterstreichen diesen Eindruck, wie z.B. ein Birkenhain, in welchem die Birken eine silber-graue Rinde haben, entgegen der üblichen weiß-schwarzen. (Quelle: Wikipedia)



    Nach diesem anstrengenden Tag freue ich mich auf mein Abendessen und auf ein Betthupferl. Die zwei Koteletts sind schnell gebraten und schmecken vorzüglich mit dem Kartoffelsalat zusammen.



    Als Nachtisch gibt es Skyr, eine isländische Quarkspeise und als Betthupferl noch einen ordentlichen Rum-Cola zum aufwärmen, denn das Thermometer zeigt um 21:00 Uhr nur noch 6 Grad C an.

    Die erste Nacht in Island bricht an.



    Gefahrene km: 245, Kilometer gesamt: 1372

    ....das Leben ist nun mal kein Ponyhof



    Schorsch
    VRCC # 36656

  • Hammer, einfach hammerhart!! Riesenkompliment und allergrößten Respekt uns derart an Deiner Abenteuerreise teilhaben zu lassen! Es gehört schon eine große Portion Abenteuerlust und eine für mich noch größere Portion Mut dazu, eine solche Tour alleine zu unternehmen. Den hätte ich definitiv nicht!! Allergrößten Respekt!!


    Wie ich Dir in meiner letzten PN vor Deiner Tour schon mitteilte, sind wir auf unserem Rückflug von unserer Kalifornien/Mexico Tour morgens früh, Ende Mai, an Island vorbei geflogen. Zu diesem Zeitpunkt war da alles noch schneebedeckt!! Im Leben würden mich bei einstelligen Temperaturen keine 1000 Pferde auf irgendein Moped kriegen!!


    Die Eindrücke und die Erlebnisse haben Dich dafür sicher hundertfach entschädigt!! Allergrößte Hochachtung und Schotterpisten haben uns auf unserer letztjährigen Korsika/Sardinien Tour mit der "fetten Elke" schon davon abgehalten, die schönsten Stellen dort anzufahren. Dafür fahren wir jetzt im September nochmal mit unserem 4 x 4 Jeep genau dorthin, wo wir uns mit diesem Moped nie hin getraut hätten.


    Zu allem dann noch Deine tolle Art, Kunst, mit Deiner Ausdrucks- und Schreibweise uns Deine Eindrücke so plastisch vermitteln zu können und das ganze untermalt mit diesen tollen Fotos...einfach immer wieder ganz großes Kino und ein ebensolches Riesenkompliment!


    Wir warten gern geduldig auf weitere Berichte...


    Viele Grüße vom Hochrhein


    Rainer

  • Reisebericht zu meiner Island Reise im Juni 2019


    14. Juni 2019

    Auf Island, Tag 9


    von Ásbyrgi nach Laugar



    Als ich heute Morgen aus dem Zelt krieche zeigt das Thermometer grade mal 2,6 Grad C an und es ist windig. Schnell begebe ich mich in das Sanitärgebäude und springe unter die heiße Dusche. Meinen Frühstückskaffee koche ich mir anschließend in der kleinen, angenehm überheizten Küche, die auf der Rückseite des Gebäudes eingerichtet ist. Das spart Gas und ist zudem auch noch bequemer wie im Zelt.


    Nachdem ich meine Ausrüstung verladen habe, mache ich mich auf den Weg. Heute möchte ich mir das Gebiet rund um den Myvatn, den Mückensee anschauen.


    Ich verlasse den Campingplatz, biege auf der 85 vorerst aber nach Norden ab. Bevor ich mich zum Myvatn aufmache, möchte ich mir noch eine kleine Kolonie von Papageitaucher anschauen, die nur knapp 30 Kilometer entfernt an einer Steilküste am Öxarfjördur ihre Nester haben sollen.



    auf dem Weg zum Vogelfelsen


    Hier sollen die Papageitaucher nisten


    So früh am Morgen bin ich noch völlig alleine Unterwegs und habe das große Glück, das die Vögel noch nicht ausgeflogen sind.



    Sind die nicht hübsch anzuschauen?


    Der Papageitaucher (Fratercula arctica) sieht mit seinem großen dreieckigen Schnabel wie ein kleiner Clown aus. Auf Island wird der kleine Kerl mit seinem farbenfrohen Schnabel nur Lundi oder Puffin genannt. Papageitaucher sind keine guten Flieger, aber umso besser können sie schwimmen und tauchen.


    Auf dem Rückweg vom Vogelfelsen zeigt mir eine elektronische Hinweistafel, das die Temperaturen langsam ansteigen. 4 Grad C werden hier angezeigt, während mein Thermometer bereits 6,8 Grad C misst. Aber das liegt vermutlich an der aufsteigenden Wärme des Motors.




    Am Himmel hängen bedrohlich dunkle Wolken und es bläst ein eiskalter Wind, aber es bleibt trocken. Überall sind tiefe Spalten und Klüfte in der Landschaft zu sehen und man kann erahnen, welche Kräfte hier unter der Erdoberfläche am Werke sind.




    Island driftet auseinander, zwar langsam aber beständig und unaufhaltsam.

    Die Isländer sehen das alles gelassen, sie haben sich längst an die kleineren und größeren Erdbeben, die es hier fast täglich gibt, gewöhnt.


    Große Lupinenfelder haben sich überall angesiedelt und ihr leuchtendes Blau bietet immer wieder einen starken Kontrast zur restlichen Natur.



    Schafe und ….


    Pferde, auf Island immer und überall präsent.





    Gegen Mittag erreiche ich das Hafenstädtchen Husavik und sehe mich ein wenig in dem Örtchen um. Von Hafen aus starten täglich kleine Boote zum Whale watching, einer lukrativen Touristenattraktion.

    Auch BigBlue scheint eine Attraktion zu sein, denn immer wieder wird sie betrachtet und fotografiert. Oft werde ich nach technischen Daten des Motorrads gefragt, aber der Chrom und die sechs Zylinder sind der eigentliche Blickfang dem anscheinend alle erliegen.

    Und dabei sieht BigBlue aus wie die Sau, die Schotterpisten haben sie nicht gerade schöner gemacht.





    Am frühen Nachmittag verlasse ich Husavik und fahre auf der 85 Richtung Süden.



    Nach ca. 10 Kilometern biege ich auf die 87 Richtung Reykjahlíð ab. Hier führe ich einen Tank- und Einkaufsstopp durch. Nach einer kurzen Pause und einem kleinen Snack in Form eines Schokoriegels mache ich mich auf den Weg zum Namafjall Hochtemperaturgebiet. Es liegt etwas ostwärts an der Ringstraße und ist schnell erreicht.

    Schon beim heranfahren an den Parkplatz strömt mir der schwefelige Geruch entgegen. Die Geländeoberfläche erinnert an einen Science-Fiction Film und man erwartet jeden Augenblick die Landung einer Raumfähre oder das Durchbrechen eines glibbrigen Monsters aus dem Boden.




    Überall blubbern heiße Schlammquellen und kochend heißer Dampf schießt aus der Erde. Der Boden besteht aus einer unglaublichen Farbpalette der schönsten Pastelltöne.







    Der Gipfel des Hverfjall liegt im Nebel und so erspare ich mir den Aufstieg zum Kraterrand.



    Auf meinem Weg zurück zum Myvatn komme ich schon nach wenigen Metern zum nächsten sehenswerten Punkt, der Grjótagjá Höhle





    Sie liegt südöstlich von Reykjahlíð in der Nähe des Sees Mývatn an der Landstraße Nr. 860, direkt auf der hier sogar an der Oberfläche sichtbaren geologischen Verwerfungszone zwischen den Kontinentalplatten von Amerika und Europa. Die geothermale Aktivität bewirkt eine Erwärmung des unterirdischen Sees.



    Hier stehe ich mit dem rechten Fuß in Amerika und mit dem Linken in Europa


    Es ist spät geworden und obwohl es noch jede Menge zu sehen gibt, mache ich mich auf den Weg zum Campingplatz.




    Hier dürfen Flüsse noch fließen wie und wo sie wollen


    Ich umrunde den Myvaten und fahre nach Laugar, einem kleinen Örtchen etwa 30 Kilometer nordwestlich des Sees. Der Platz liegt etwas außerhalb, windgeschützt in einem Birkenhain.

    Der Besitzer des Platzes ist spricht etwas deutsch und wir unterhalten uns eine ganze Weile bei einer Tasse Kaffee über meine Tour.


    Das Zelt ist schnell aufgebaut


    Zum Abendessen sollte es eigentlich Hamburger geben, aber aus Faulheit mache ich mir nur ein mit Käse, Schinken und Salat belegtes Baguette. Die Hamburger halten sich bei den Temperaturen auch noch bis morgen.

    Das war ein langer, anstrengender Tag, und beim schreiben des Tagebuchs gehen bei mir schon die Lichter aus.



    Gefahrene km: 239, Kilometer gesamt: 1611

    ....das Leben ist nun mal kein Ponyhof



    Schorsch
    VRCC # 36656

  • Reisebericht zu meiner Island Reise im Juni 2019


    15. Juni 2019

    Auf Island, Tag 10


    von Laugar nach Varmahlid und weiter nach Hvammstangi



    Um 06:00 Uhr ist für mich die Nacht vorbei und ich bin hellwach. Aber was heißt hier überhaupt Nacht? Sonnenuntergang soll offiziell um 00:28 Uhr sein, aber das scheint der Sonne niemand gesagt zu haben. Obwohl ich mich noch südlich des Polarkreises befinde, bleibt es die ganze „Nacht“ über Taghell. Ich habe Gott sei Dank kein Problem damit und kann trotzdem gut schlafen. In meinem Büro war es ja auch nicht immer Dunkel (smile).

    Es ist angenehm „warm“, 14 Grad C sind es heute morgen schon und der Himmel zeigt sich im schönsten Blau mit ein paar schneeweißen Schäfchenwolken.



    Das scheint den Mücken auch zu gefallen, denn kaum komme ich aus dem Zelt heraus, fallen sie über mich her. Sie stechen zwar nicht und sind deutlich kleiner als unsere heimische Stechmücke, aber es sind tausende und sie sind überall.

    Bei jedem Atemzug hängen sie in Nase und Mund. Und das schlimmste ist, sie sind anscheinend gegen mein „Anti Brumm Forte“, eigentlich eine Geheimwaffe gegen Mücken, völlig immun. Somit fällt der Frühstückskaffee hier vorerst aus, und das will was heißen.


    Um 07:00 Uhr starte ich den Motor und mache mich auf die Reise. Auch heute will ich mich, da wo es möglich ist, von der Ringstraße 1 fern halten, auch wenn das für BigBlue und mich viel Schotterpiste bedeutet.




    Als erstes besuche ich den Goðafoss, das sind vom Startpunkt aus nur ca. 20 Kilometer. Der Weg dorthin verläuft parallel zur 1 und nur an ganz wenigen Stellen muss ich diese Hauptstraße benutzen.





    Der Sage nach soll der Gode und Gesetzessprecher Þorgeir Ljósvetningagoði Þorkelsson um das Jahr 1000 n. Chr., nach der beschlossenen Übernahme des Christentums als Staatsreligion, die letzten heidnischen Götterbilder in den Goðafoss geworfen haben.

    Daher der Name (= Götterwasserfall). Ein Kirchenfensterbild in der Domkirche von Akureyri (Akureyrarkirkja) erinnert an diese Geschichte. (Quelle: Wikipedia)


    Von einer Höhe sehe ich den Godafoss schon von weitem


    Das Wasser des Skjálfandafljót stürzt hier über einer Breite von 158 Meter, die von drei Felsen unterbrochen wird, etwa 11 Meter in einem weiten Bogen in die Tiefe.





    Der Besucherparkplatz ist so früh am Morgen noch fast komplett leer und so kann ich einige Bilder schießen, ohne mich durch die Besuchermassen quälen zu müssen.


    Auf meinem weiteren Weg Richtung Akureyri kommen mir dann aber schon fünfzehn große Reisebusse entgegen, die alle diesen Wasserfall als nächstes Ziel haben. Gut das ich dort schon weg bin.

    Als ich den gerade erst neu gebauten Vadlaheidargong Tunnel erreiche, muss ich mich entscheiden, ob ich den schnellen und bequemen Weg durch den Tunnel nehme, oder ob ich die Straße über den 520 Meter hohen Pass Steinskarð fahre. Diese Gravelroad Piste mit ihren 13 Spitzkehren ist deutlich schwieriger zu fahren und kostet viel mehr Zeit. Trotzdem entscheide ich mich bei diesem herrlichen Wetter für den Pass und bereue es keine Minute. Die Strecke lässt sich besser fahren wie befürchtet und die Landschaft hier oben ist einfach nur berauschend schön.





    Als ich mich Akureyri nähere, sehe ich die „MeinSchiff 3“ im Hafen liegen. Jetzt weiß ich auch woher die 15 Reisebusse kamen, die mir unterwegs begegnet sind.




    In Akureyri möchte ich gerne das Motorradmuseum besichtigen, doch leider bin ich zu früh dort. Es öffnet erst um 14:00 Uhr aber so lange kann ich nicht warten. Das ist sehr Schade, denn es handelt sich wohl um ein zwar kleines aber feines Museum mit schönen alten Exemplaren und Exponaten.



    Hinter Akureyri verlasse ich die Ringstraße 1 wieder und fahre auf der 82 Richtung Norden.



    Nach einem Tankstopp in Dalvik lege ich ca.15 Kilometer später, auf einem Parkplatz am Rande einer Klippe, eine Pause ein um eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken.






    Eine junge Isländerin hat eine Kamera auf einem Stativ aufgebaut und beobachtet das Meer.

    Ich grüße freundlich und frage sie, ob es stört wenn ich hier meinen Kaffee koche, was sie verneint. So kommen wir ins Gespräch. Sie beobachtet von hier oben aus Wale die sich im Eingang des Fjordes tummeln.

    Sie zeigt auf eine Stelle die ich beobachten soll, und tatsächlich, keine zwei Minuten später erkenne ich die typische Fontäne im Wasser, die Wale beim Ausatmen ausstoßen.

    Drei oder vier Wale sind es die dort schwimmen und ich versuche sie aufs Bild zu bekommen, allerdings mit der nicht zu großen Hoffnung, dass das funktioniert. Die Entfernung ist doch ziemlich groß und ohne vernünftige Kamera mit Teleobjektiv sind die Chancen ziemlich gering, ein halbwegs vernünftiges Foto zu bekommen. Also fotografiere ich frei nach dem Motto: „Masse statt Klasse“ in der Hoffnung, das später vielleicht auf ein paar Bildern etwas zu erkennen ist.



    Also doch, ein Glückstreffer! (Ausschnittvergrößerung)


    Ich genieße diesen herrlichen Ausblick bei schönstem Wetter und könnte hier noch Stundenlang sitzen, aber bis zu meinem heutigen Etappenziel liegt noch ein weiter Weg vor mir.


    Nach eineinhalb Stunden verlasse ich den Parkplatz und durchquere das vor mir liegende kurze Tunnelstück, das hier grob in den Felsen gehauen ist und erreiche kurz danach das Örtchen Olafsfjördur.



    Auch hier habe ich für meinen weiteren Weg wiederum zwei Möglichkeiten. Ich kann weiter bequem über die 76 der Hauptstrecke folgen, oder ich biege links ab und fahre über die alte Passstraße. Dabei handelt es sich aber um eine mehr als 40 Kilometer lange Gravelroad mit bis zu zwanzig prozentigen Steigungs- und Gefällestrecken.

    Ich habe genügend Zeit und so entschließe ich mich für die Passstraße.






    Die Strecke verlangt BigBlue und mir einiges ab, und ein paar mal denke ich ans Umkehren, aber die fantastischen Ausblicke und die Neugier was wohl hinter der nächsten Biegung kommt, treibt mich weiter vorwärts.


    Als ich dann nach mehr als zwei Stunden wieder auf die 76 stoße, bin ich zwar geschafft, aber froh diesen Streckenabschnitt gewählt zu haben. Die Landschaft ist einfach unbeschreiblich schön.


    Auf meinem Weg Richtung Süden mache ich hinter Hofsos am gegenüberliegenden Fjordufer eine seltsame Beobachtung.



    Schneeweißer Nebel (zuerst denke ich, es handelt sich um Rauch) fällt von den Bergen herunter und zieht in einer Höhe von ca. 20 bis 30 Meter über der Wasseroberfläche landeinwärts. Es sieht ein wenig mystisch aus und ich schieße ein paar Fotos von diesem Ereignis, mache mir aber weiter keine Gedanken darüber.


    45 Kilometer weiter südlich erreiche ich den Ort Varmahlid. Hier will ich eigentlich mein Nachtlager für heute aufstellen, aber der Campingplatz hat geschlossen. Auf der Suche nach einem Ausweichplatz folge ich der 1 weiter in Richtung Westen.


    Nun sehe ich das Naturschauspiel von vorhin wieder. Von den knapp tausend Meter hohen Bergen links und rechts von mir fällt dieser schneeweiße Nebel in das Tal herab. Es wird eiskalt und stürmisch. Innerhalb von ein paar Minuten fällt das Thermometer von 19 Grad C auf unter 4 Grad C ab.




    Seit heute Vormittag fahre ich in Sommermontur, dünne Handschuhe, Jacke ohne Futter und im T-Shirt. Alles Warme ist sorgfältig verpackt.

    Großer Fehler!!!

    Auf dem nächsten Parkplatz reiße ich regelrecht mein Gepäck auseinander und suche mir Fleece-Shirt, Unterziehjacke und warme Handschuhe (nochmals danke an Günni) zusammen. Das Ausziehen der Motorradjacke kostet mich einige Überwindung, doch es nützt ja nichts.

    Einen solchen Temperatursturz habe ich vorher noch nicht erlebt.


    Kurz vor Blönduos ist der Spuk dann vorbei, die Sonne scheint wieder und die Temperatur steigt wieder auf 17 Grad C an. Was für ein Land, wie mag es hier wohl im Winter zugehen?

    Ich folge der 1 noch weitere 50 Kilometer, nur weit weg von dieser Kaltfront.



    In Hvammstangi finde ich dann sowohl eine Tankstelle wie auch einen Campingplatz.


    Es ist nach 20:30 Uhr als mein Zelt steht. Es war ein langer, anstrengender und ereignisreicher Tag mit vielen überwältigenden Eindrücken.



    Heute Abend gibt es die leckeren Hamburger. Es waren ursprünglich zwei, aber einer hat das Foto schon nicht mehr erlebt. Mein Hunger war einfach zu groß.




    Gefahrene km: 371, Kilometer gesamt: 1982

    ....das Leben ist nun mal kein Ponyhof



    Schorsch
    VRCC # 36656

  • Toller Bericht Schorsch und wunderschöne Bilder !!!


    Solche Temperaturschwankungen habe ich selber in Spanien erlebt, Küstenstraße 35-40 Grad und dann das krasse in den Bergen mit Gewitter und Hagel und Tempreatur unter Null Grad. Ich hab mir förmlich den Arsch abgefroren.


    Zu den Mücken , sobald du in Schottland Essen draussen ausgepackt hast verdunkelte sich der Himmel und Millionen von Mücken überfielen dich und bissen dich an jeder freien Körperstelle. In Nase Augen Mund war es am schimmsten , man Frau konnte es nur aushalten mit Kopfnetzt und Arme abgetehpt. Trotz allem eins der schönsten Bikertripps die ich erlebt hatte.

    Gruß Rainer

  • Reisebericht zu meiner Island Reise im Juni 2019


    16. Juni 2019

    Auf Island, Tag 11


    Ab in die Westfjorde,


    von Hvammstangi nach Isafjördur



    06:15 Uhr, ich muss auf die Toilette. Widerwillig schäle ich mich aus meinem warmen Schlafsack und öffne das Zelt. Das sind morgens immer die übelsten Minuten, wenn man aus der wohligen Wärme in die immer noch eisige Morgenluft tritt.



    In der Nacht ist ein feuchter, kalter Nebel aufgezogen und das Thermometer steht bei 5 Grad C. Ich überlege kurz, ob ich mich nochmal in den Schlafsack begebe, verwerfe diesen Gedanken aber schnell wieder. Also genieße ich eine ausgiebige heiße Dusche, setze mich dann warm angezogen in die Grillhütte die direkt neben meinem Zelt steht und brühe mir meinen morgendlichen Kaffee auf.



    Es liegt heute eine lange Strecke bis nach Isafjördur in den Westfjorden vor mir. Das sind knapp 380 Kilometer und davon muss ich einige Kilometer auf Schotter fahren. Es heißt also „Strecke machen“ und im Nachhinein bin ich froh, das ich gestern gezwungenermaßen ca. 100 Kilometer weiter wie geplant gefahren bin. Vermutlich hätte ich sonst die heutige Etappe gar nicht geschafft. Weiß der Teufel, was ich mir da bei der Planung gedacht habe. Wahrscheinlich habe ich die Schotterstrecken vom Zeitansatz deutlich unterschätzt.

    Ich gönne mir noch Kaffee Nummer zwei und drei, wische dann das vom Nebel feuchte Zelt trocken, verpacke alles und mache mich um 07:45 Uhr auf den Weg.


    Ich bin noch keine 10 Kilometer unterwegs, da reißt der Nebel auf und die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel auf mich herab. Ich kann mein Glück kaum fassen, habe ich doch bisher nur gutes Wetter gehabt.




    Ich fahre die 1 hinunter bis kurz hinter das Örtchen Stadur. Hier biege ich rechts auf die 68 ab, die mich in Richtung Holmavik führt. In Prestbakki, beginnt der erste Gravel-Abschnitt. Ich habe ihn auf ca. 20 Kilometer geschätzt, aber er ist gute 30 Kilometer lang und leider frisch aufgeschottert.

    BigBlue will die Spur nicht halten und schiebt ständig in dem tiefen, losem Schotter über das Vorderrad weg. Ich versuche durch erhöhen, bzw. durch verringern der Geschwindigkeit eine gewisse Stabilität in die Fuhre zu bekommen, aber es will mir nicht so recht gelingen und die Strecke will einfach kein Ende nehmen. Trotzdem halte ich zwischendurch immer wieder an um die schöne Landschaft um mich herum zu genießen.




    Der zweite und dritte Gravel-Abschnitt ist trotz einiger enger Kurven und teilweise steilen Gefälle und Steigungen deutlich besser zu befahren. Da ich die Straße heute morgen so gut wie für mich alleine habe, nutze ich die Straßenmitte, auf der der wenigste Schotter liegt und kann mit Tempo 50 bis 60 halbwegs stabil fahren.





    Gegen 12:45 Uhr erreiche ich Holmavik und kaufe hier ein paar Lebensmittel für heute Abend und für Morgen ein. Morgen ist der 17. Juni, Nationalfeiertag in Island und alle Geschäfte haben geschlossen.


    Holmavik


    Nachdem ich getankt habe, gönne ich BigBlue noch eine Wäsche. Das tat nach den staubigen Strecken der letzten Tage dringend Not.

    Fünf Stunden sind für die ca. 150 Kilometer bis hierher drauf gegangen, und ich habe noch über 200 Kilometer vor mir. Ich muss mich also ein wenig beeilen wenn ich heute noch ankommen will.


    Ich verlasse Holmavik und fahre auf die gut asphaltierte 61, drehe etwas mehr am Hahn wie erlaubt ist und erreiche ca. 50 Kilometer später, nach überqueren einer Hochebene den ersten von fünf vor mir liegenden Fjorden, die mich noch von meinem Tagesziel trennen.






    Tief laufen diese Fjorde ins Landesinnere und man muss sie alle ausfahren. Keine Brücke, keine Fähre und kein Tunnel bietet die Möglichkeit einer Abkürzung. Lediglich der zweite, flache Mjöifjordur wird durch eine Landaufschüttung verkürzt.





    Aber genau das ist es, was ich so liebe. Auf der einen Seite die schroffen Felsen, und auf der anderen Seite das Meer. Und das über viele, viele Kilometer. Von mir aus braucht das nicht mehr aufzuhören.






    10 Kilometer vor Isafjördur, an einem grandiosen Aussichtspunkt sehe ich ein Kreuzfahrer in sehr langsamer Fahrt durch den Fjord schippern. Vermutlich ist er auf Whale watching Tour und tatsächlich erkenne ich weit draußen einige Fontänen der ausatmenden Wale. Faszinierend.





    Ich statte dem Städtchen Isafjördur einen kurzen Besuch zum tanken und zu ein wenig sightseeing ab und erreiche dann einige Minuten später gegen 18:30 Uhr den Campinplatz. Er liegt in einem Talkessel und ein unmittelbar angrenzender, rauschender Wasserfall teilt ihn in zwei Hälften.





    Schnell ist ein Platz für das Zelt gefunden und der Kocher fürs Abendessen aufgebaut.

    Ich habe Heißhunger auf Linsensuppe mit Würstchen, heute ohne Bild, kennt ihr ja alle.


    Danach noch ein wenig im Tagebuch schreiben und mit einigen anderen Campern fachsimpeln über Ausrüstung und Material, das ganze mit ein paar Bierchen und schon ist es 00:30 Uhr als ich mich todmüde ins Zelt verkrieche.


    Gefahrene km: 379, Kilometer gesamt: 2361

    ....das Leben ist nun mal kein Ponyhof



    Schorsch
    VRCC # 36656