Nur vier Töpfe

  • Hallo zusammen,


    ich habe nach etwa 26 Monaten Abstinenz meine 99er Valk wieder aus der Garage gezogen und versucht zu starten. Da ich die Batterie ausgebaut und geladen hatte sprang sie erwartungsgemäß gut an. Trotzdem war der Lauf sehr unrund und schnell wurde klar, dass zwei von sechs Zylindern nicht mitarbeiteten.
    Bei der letzten Fahrt vor der Zwangspause war aber noch alles perfekt.
    Betroffen sind die Zylinder 1 und 3, also rechts die beiden vorderen. Der Effekt ist eindeutig, da ich nach etwa 5 Minuten Standgas diese beiden Krümmer noch anfassen kann ohne Brandblasen zu bekommen.
    Ich habe bereits die Zundung und die Zündkerzen kontrolliert. Ein kräftiger Zündfunke ist bei beiden Zylindern vorhanden und die Kerzen sind sauber und nicht verrusst oder verölt und auch ohne Ablagerungen.
    Kompression ist auch vorhanden.


    Es sieht also danach aus dass die beiden Zylinder kein Gemisch bekommen
    Ich habe bereits von den beiden Vergasern die Unterdruckdeckel abgeschraubt um die Membrane und die Düsennadel zu kontrollieren. Die Membranen sind in Ordnung und auch nicht spröde, und die Düsennadel ist sauber und klemmt auch nicht.
    Wenn ich jeweils die Ablassschraube der Schwimmerkammer rausdrehe fließt locker Sprit aus dem Schlauch, der Zulauf ist also auch gewährleistet.
    Ich habe auch bereits den Tank entleert und die beiden Vergaser leerlaufen lassen dass garantiert frischer Sprit drin ist. Es hat aber alles nichts geholfen.
    Bevor ich jetzt die Vergaser ausbaue und komplett zerlege (was bekanntermaßen ein nicht zu unterschätzender Aufwand ist) hoffe ich hier im Forum fachkundigen Rat zu bekommen.


    Hat jemand ein paar Tipps ?


    c u all,


    Roman

  • Hallo Bernie,


    danke für die schnelle Antwort.
    An die Schwimmernadeln hatte ich auch schon gedacht, erschien mir aber unlogisch. Wenn Schwimmer immer "zu", dann dürfte unten aus der Ablassschraube auch nichts rauskommen. Wenn Schwimmer immer "auf", dann müsste der Vergaser ja überflutet werden was man an nassen Kerzen erkennen müsste, oder ? Die Kerzen sind aber furztrocken.
    Ich könnte es aber trotzdem probieren, nur welchen "Reiniger" und wie kriege ich den in die Vergaser, über den Tank ?


    Gruß
    Roman

  • Genau, Tank abbauen, Vergaser leerlaufen lassen, Vergaserreiniger einfüllen, nach ca. 2Tagen ablassen, Vergaser mit Benzin füllen, Tank aufbauen.
    Wie das Zeug hieß weiß ich nicht mehr, muss ich erst in der Schrauberbude nachschauen.
    Bei uns war das Problem das immer wieder Zylinder trocken blieben, also immer wieder andere bis sie überhaupt nicht mehr lief.
    Nach dem einweichen war alles wieder im Lot.

  • Eine Frage, damit mit das nach meiner jetzt anstehenden Fahrpause nicht auch passiert:
    Hattest du vor dem Abstellen die Vergaser leer laufen lassen, oder stand der Sprit die 26 Monate im Vergaser?


    Gruss ABV

  • Hallo ABV,


    ja, leider stand der Sprit etwa 2 Jahre im Vergaser (schäm).
    Ich hatte eigentlich nicht die Absicht so lange nicht zu fahren, die Valk war/ist auch die ganze Zeit über zugelassen, nur TÜV ist mittlerweile abgelaufen, aber mit 4 Töpfen brauche ich wohl nicht beim TÜV vorzufahren.


    Leider hilft mir die späte Einsicht nun auch nicht weiter. Ich habe mir heute Vergaserreiniger-Spray besorgt und die zwei "Versager" damit bearbeitet, sprich in in die Düse, in das SE-Ventil und in die Ablassöffnung gesprüht nachdem ich den Sprit abgelassen habe. Hoffentlich tut sich morgen was.
    Das merkwürdige ist, dass bei den nicht funktionierenden Zylindern im Gegensatz zu den anderen einfach garnichts passiert, also auch über die Startanreicherung überhaupt kein Sprit ankommt. Die Schwimmerkammer wird aber immer ordentlich gefüllt, sonst könnte ich ja nichts ablassen.


    Berni hat ja empfohlen die Vergaser über den Tankzulauf komplett mit Vergaserreiniger zu fluten, aber woher bekommt man ein dafür geeignetes Produkt ?


    Ich bin für jeden Tipp danbar.


    Viele Grüße
    Roman

  • Hallo Experten,


    ich mache einfach keine Fortschritte.
    In den Zylindern 1 und 3 scheint kein Gemisch anzukommen, die Kerzen bleiben absolut trocken und die Krümmer kalt wenn der Motor läuft.
    Der Kraftstoffzufluss scheint aber grundsätzlich zu funktionieren. Die Schwimmerkammen werden immer mit Benzin gefüllt und wenn ich bei herausgenommener Nadeldüse von oben mit Druckluft in die Hauptdüse puste dann spritzt mir auch etwas Benzin entgegen. Was ich aber immer noch nicht verstehe ist die Funktion bzw der Zusammenhang zwischen SE-Ventil und Luftabschaltventil. Könnte mir das bitte einer von Euch einmal erklären ? Könnte es sein. dass ein poröser Schlauch (also fehlender Unterdruck) zwischen SE-Ventil und Luftabschaltventil irgendwie die Gemischbildung verhindert ?


    Danke für Eure Hilfe,
    Roman

  • Möge mich einer berichtigen wenn das nicht stimmt.
    Das Luftabschaltventil soll das Nachhumpeln beim abschalten des Motors verhindern und bei hohen Drehzahlen das Gemisch anreichern. Das SV-Ventil oder Joke spritzt zusätzlich Kraftstoff für die Kaltlauffase ein.
    Bei dir habe ich im Moment nur eine Erklärung.
    Wenn die Schwimmerkammer voll ist und der Sprit nicht in den Zylinder kommt, ist entweder die Unterdruckmembrane defekt oder Undruckkolben klemmt oder die Düsennadel klemmt in der Hauptdüse. Es reicht ein hauchdünner Riss in der Membrane und der Kolben mit Nadel bleiben unten und damit ist die Hauptdüse dicht.
    Was ist im Jokebetrieb und im Leerlauf, passiert da auch nichts?
    Wenn alle Stränge reißen müssen die Vergaser komplett zerlegt werden und ins Ultraschallbad.

  • Wenn nach 5 min im Leerlauf der Krümmer noch kalt ist (vorrausgesetzt der Choke war zu) dann sind die Leerlaufdüsen/Bohrungen zugekleistert !


    Das sogenannte Air-cut-Valve hat nur im Schiebebetrieb seine Aufgabe-also unrelevant.
    Membrane hat im Leerlauf ebenfalls Pause.


    Also wenn es ein Mittel gibt welches dieses Problem durch Einfüllen löst, dann bitte die Adresse zu mir !!!


    Ansonsten nehme ich lieber ein US-Bad für solche Fälle....

  • Hallo,


    also die Gummimembrane habe ich genauestens gegen das Licht inspiziert --> keine Perforation. Ich habe mir auch schon gedacht dass das alles nichts mit meinem Problem zu tun hat. Verstopfte Leerlaufdüse hört sich logisch an, da trotz Choke die fraglichen Zylinder kalt und deren Kerzen trocken bleiben.
    So wie ich Euch verstehe lässt sich eine verstopfte Leerlaufdüse wohl nur durch komplett zerlegen oder Ultraschall reinigen ? Ich hatte gehofft dass man da noch irgendwie anders ran kommt.
    Nun habe ich leider kein Ultraschallbad. Da ich mehr als 20km vom nächsten Honda-Händler entfernt wohne entfällt die Anfahrt auf vier Töpfen. Anhänger oder Auto mit Anhängerkupplung habe ich auch nicht.
    Sollte ich also den Vergaserblock im Ganzen abbauen und zu Händler bringen (zum Unltraschall) oder besser alle Vergaser in die Einzelteile zerlegen und manuell reinigen ? Brauche ich dann einen irgendwie gearteten Reparatursatz ? Hat schon mal einer von Euch die Vergaser zerlegt und Erfahrungen damit ?


    Viele Grüße
    Roman

  • Moin, moin,


    also, die Vergaser sind schon ziemlich komplex. Das werden dir hier auch die Fachmänner bestimmt bestätigen. Das Zerlegen ist mit Sicherheit für einen ungeübten, wie für mich z.B., sehr schwierig. Ich persönlich würde die Vergaserbrücken ausbauen und zum Reinigen zum Fachmann bringen. Dann hast du auch die Gewissheit das alles später läuft. Wenn nicht, wieder hinbringen bis es läuft. Du sparst die eine Menge Stress und Ärger. Kostet allerdings ein wenig.


    Einen anderen Tip kann ich dir nicht geben.


  • Also wenn ich lese was du so zusammenschreibst und dabei feststelle das du eine Leseresistenz hast, empfehle ich die Werkstatt in 20km Entfernung zu kontaktieren (die meisten Werkstätten haben sogar einen Transporter und könnten das Bike abholen), um schlimmeres zu verhindern.
    Ich bin zwar kein Valkyrie-Experte wie die meisten anderen hier, dafür hab ich über die Jahre einen Überblick über die verschiedensten Vergaser Bauarten/Typen bekommen.Deswegen kann ich dir aus dieser Erfahrung sagen,das der Ausbau des Vergasers an diesem Motorrad einer der schwierigeren ist.
    Als Motivationsbremse für halbwissende Hobbyschrauber empfehle ich das entsprechende Kapitel im WHB.
    Und wenn du kein Geld ausgeben möchtest/kannst dann laß das Bike einfach noch 3-5 Jahre stehen, dann brauch man über US-Reinigung oder nicht, nicht weiter zu debattieren.

  • Wie der Zufall es so will habe ich gestern das gleiche Problem mit einer Vergaserbrücke die lange gelegen hat. Zylinder 1 und 4 haben die Arbeit auch nach einer Nacht einweichen verweigert.
    Ich habe die Vergaserbrücke auf die Werkbank gelegt, die Schwimmerkammern geöffnet, Haupt- und Leerlaufdüse herausgeschraubt, vorsichtig mit einem 0,5er Draht durchgestochen, mit Reiniger und Pressluft sauber gemacht.
    Alles eingebaut und der Motor läuft wieder rund. Wenn danach fiel gefahren wird, werden die Vergaser durch den durchströmenden Sprit wieder sauber.
    100%ig geht es nur mit einem Ultraschallbad.
    Wenn man ein Schrauber ist und das Werkstatthandbuch hat, ist es machbar.